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#1

Ausflug ins Märchenreich, Teil_1 (2017)

in Märchen-Festival 19.07.2017 20:23
von G.H.S. • Ausbilder | 2.403 Beiträge | 3438 Punkte

(Vor dem Eingang)

Zügigen Schrittes geht ein Vater mit seinem Sohn von der Bushaltestelle, durch den Wald, hin zum Freilichtmuseum.

Der Junge, Sören, trägt ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift ‚Monster‘, seine Bluejeans fällt über seine Sportschuhe.
<Ich hoffe, du hast auch Lust, heuer wieder das Märchen-Festival aufzusuchen, Sören?> spricht der Vater seinen Sohn an, der wenige Schritte hinter ihm geht. <Ja Papa, das wird bestimmt wieder schön. Ich mache dann wieder Fotos von dort.> Lächelnd dreht der Vater sich nach Sören um <Naja, eigentlich wären Fotos von dir doch wichtiger. Ich erinnere mich an das vergangene Jahr, besonders schön waren doch die Bilder von dir mit Rosenrot und Schneeweisschen, meinst du nicht?>
Die beiden haben den Anstieg zum Gelände auf dem das Märchenfestival stattfinden wird, beinahe hinter sich gebracht, als der Vater, der trotz des bereits warmen Sommertages sich ein Longsleeve angezogen hat, stehenbleibt. <Naja, es sind ja noch nicht viele Autos hier. Aber besser, wir sind früh dran, dann ist es noch nicht so beengt und man kann alles besser anschauen.> <Papa, welche Märchen sind denn überhaupt da? Wir haben die doch schon im letzten Jahr alle gesehen.>
Während er leise kichert, schaut der Vater prüfend, ob er durch die Bäume neben dem Eingangsgebäude bereits die ersten Märchengestalten erkennen kann. <Nein, wir haben natürlich nicht alle Märchenfiguren gesehen. Wir haben Hänsel & Gretel oder auch den Gestiefelten Kater gesehen, aber das sind ja auch die bekanntesten Märchen hier. Was ist denn mit den Märchen von Hans Christian Anderson, den Legenden aus der Edda oder den Märchen der Slawen?
Erinnerst du dich beispielsweise noch an die Seejungfrau oder Robin Hood, die wir im vergangenen Jahr erfolglos suchten?> Sören, der während der Unterhaltung beharrlich (wenn auch langsam) weitergeht, hat nun beinahe das Tor erreicht und dreht sich wieder um. <Ja, die Meerjungfrau war ja gar nicht da, sie war krank. Ob sie wohl eine Erkältung hatte?>
Lustigen Mutes zieht der Vater seinen Rucksack fester um seine Schultern. <Ja, da sagst du etwas. Hahaha, ich frage mich, wie eine Meerjungfrau sich wohl erkälten soll?> Dies meint der Vater mit einem Augenzwinkern.
<Papa?!!> meint sein Sohn gespielt aufbrausend.
<Was denn Sören, ich weiß gar nicht worauf du dich nun beziehst?> springt der Vater wie ein Spinnenmensch seinem Sohn hinterher um ihn zu kitzeln.
Sich befreiend spricht der Junge: <Mensch Papa, das sind doch Märchen. Die sind doch gar nicht lebendig.> Maßregelnd schaut der Sohn den Vater streng an. Doch als dieser seinem Blick begegnet und ein Lächeln seine Mundwinkel umspielt, können beide sich bald vor Lachen nicht mehr halten.
Aber der Vater will seinem Sohn natürlich auch die Erklärung nicht schuldig bleiben. <Schau mal Sören, so ein Fischweib…> erschrocken schaut der Sohn zu seinem Vater <Wie, was hast du gesagt?> fragt er und muss selbst an sich halten, nicht sogleich wieder laut aufzulachen. <… öh ja, wie sagte ich?> windet sich der Vater, um eine direkte Antwort verlegen. <Ja genau, eine Meerjungfrau, sowas weiß man ja, hat neben ihrem Fischschwanz wenig an. Eventuell noch ein leichtes Hemd, ansonsten hält ein nasses Kleid im Wasser schließlich auf.> Aufmerksam hört Sören zu, um seinen Vater dann zu unterbrechen <Oh Papa, wir haben alle Arielle die Meerjungfrau gesehen, das weiß doch jeder. Also, ich kenne den Teich da oben wo die Meerjungfrau gesessen hat.> Der Vater, der dem Eingang auch bereits nahe gekommen ist, mag nicht weiter auf die nassen Wasserweiber aus den Märchen eingehen. <Überlege doch mal, wenn die Frau mit dem geschuppten Fischschwanz da auf dem Felsen sitzt und den Besuchern winkt, dann ist sie so doch recht ungeschützt?> <Äh, ja genau Papa. Worauf willst du hinaus?> Mit einem siegesgewissen Lachen zieht der Vater einen verbalen Schlussstrich unter dieses Thema <Denk dir doch Sören, wenn es dann anfängt zu regnen, wo sollte sich die Meerjungfrau denn unterstellen??> So spricht er und verschwindet im Gebäude…

(Im Eingangsgebäude)

Den Kopf ein wenig gesenkt, betritt Lucius (gesprochen: Luschius) Schnee das Kassengebäude des Landschaftsmuseums.
Sein Sohn, dass weiß er, ist gleich hinter ihm.
Dieses Gebäude ist, von innen betrachtet weit größer, als es von außen wirkte.
An der, von ihm aus betrachtet linken Wand, erkennt der Vater, befinden sich Fotos die bereits aus dem frühen letzten Jahrhundert stammen müssen.
Selbst hier im Innern, kurz vor der Tür, kann er die vergrößerten Posterdrucke kaum erkennen. Die Bilder sind schwarz/weiß und zeigen ältere Gerätschaften die heuer nicht mehr hergestellt werden, seien es Handpflüge für das Feld oder auch alte Telefonanlagen.

<Die Kasse ist bei mir> spricht den Vater eine Frau, an einem Stand, in der Mitte des Raumes, an. Lucius erkennt hinter ihr, an den Wänden Regale mit Büchern, kleineren Spielzeugen oder Setzkästen.
Er wendet sich seinem Sohn zu <Sören, ich schaue mal hinten in den Regalen, ob dort noch Dinge sind, die mir gefallen, eventuell findest du auch etwas für dich?> Während Sören, der sich gerade anfing das Poster von einem Ackerflug, welcher von einem Ochsen gezogen wurde, anzusehen, weiter zu den Regalen läuft, wendet auch sein Vater sich diesen zu. Er blättert durch ein Buch, in welchem erklärt wird, wie die Melkmaschine den Bauer beziehungsweise den melkenden landwirtschaftlichen Gehilfen ersetzte. Bis er die Postkarten sieht, die nur darauf warten, abgeschickt zu werden. Eine plötzliche und ihm unverständliche Erregung erfasst ihn, während er sich die hier ausliegenden Postkarten anschaut.
Er entscheidet sich für vier verschiedene, die er jeweils 5mal kauft.
Irgendwie erwecken diese Bilder (alte Fotografien) eine Art der Erinnerung in ihm.
Sören drängt auf das Weitergehen, aber nachdem der Vater seine Postkarten bezahlt hat, nimmt er seinen Rucksack ab und fischt aus dessen Innerem einen alten Stoff Hut. Der Hut erhebt sich hoch über die Borte. Von der Mitte des Hutes über der Stirne, schaut ein Emblem hinab. Aufmerksame und unlustige Menschen mögen hier einen Dämon erkennen können, der finster jene mustert, die vor ihm stehen.
Der Sohn schaut erwartungsvoll grinsend auf seinen Vater, der sich den Hut auf den Kopf setzt…



Vor meinen Augen verschwimmt mein Blick und es verändert sich der Raum, in dem ich steh‘.
Ob wohl meine Augen mir einen Streich spielen? Denn wie sonst sollte es sein, dass die Frau hinter dem Tisch mit der Geldkassette plötzlich eine andere Gewandung trägt?
Diese wirkt, als gehöre die Frau zum gemeinen Volke. Ein hier ansässiges Weibe, welches die Schar der Gäste vor Ort empfängt und den Weg weist, welchen diese zu nehmen haben.
Mein Sohn vor mir, steht mit vor stolz gereckter Brust zwischen mir und dem Durchgang zur Festivität.
Ich weiß, er ist ein Jugendlicher, dennoch trägt er das Kleid eines Junkers.
Sein Wappenrock zeigt die Symbole jener vom Spatzenhügel. Mit fragend geöffneten Augen schaut er, der junge Recke, mich an.

...

Die Frau dort am Tisch fragt etwas.
Erzürnt mit einer Hand wedelnd zeigt sie auf mich. Anscheinend will sie mir etwas mitteilen.
Ich verstehe sie kaum.
Habe ich meinen Hut bis über die Ohren gezogen?
Besser ich lupfe ihn etwas…

… nahezu augenblicklich erkennt der Vater den Eingangsraum des Freilichtmuseums wieder. Er schüttelt den Kopf, so als wolle er restlichen Schlaf aus seinen Gedanken vertreiben.
Auch sein Sohn schaut überrascht von seinem Vater zu der Frau an der Kasse,
und hernach, wieder zurück zum Vater.

Wer aber nun spricht, ist die Frau an der Kasse.
Sie nimmt den Faden wieder auf und wendet das Wort an den Mann, der vorhin mit seinem Sohn ankam.
Jenen spricht sie an, der vor wenigen Minuten erst eintrat und nachdem er den Eintritt bezahlte auch einige Postkarten kaufte. <… Das hat unser Vorstand so nach dem letzten Jahr beschlossen.> Sie schaut zu dem Mann, der gerade seinen irgendwie gruseligen Hut wieder auszieht. Er hat ihr zugehört, ist ja mit ihr im Gespräch, aber seine Augen schauen fragend aus der Wäsche…
<Das ist seit diesem Jahr so!
Erwachsene, die das Märchenfestival aufsuchen dürfen sich nicht mehr verkleiden.
> Bevor er antworten kann, legt sie gleich nach: <Ihr Sohn könnte sich ruhig verkleiden, aber Erwachsene nicht mehr.>
Grübelnd schaut Lucius seinen Sohn an, der seinem Blick munter begegnet.
Der Junge hat ja schon einmal Monster auf dem Shirt stehen, das würde ja passen. Aber gegen den hübschen Hut wird dann gewettert. Dass jenes Emblem, welches ihn ziert, ein Dämon sein soll erkennt auch nur, wer danach sucht.

Fragend schaut der Sohn seinen Vater an.
Lucius Schnee, dessen Spitzbart kurz rasiert ist, setzt sein freundlichstes Lächeln auf, als er zu einer Antwort ansetzt. <Ja, das verstehe ich natürlich.
Das Märchenfestival wird ja von einem Theater organisiert und gestaltet
.> Nickend gibt die Angestellte des Freilichtmuseums ihm recht, bevor er weitersprechen kann. <Ich schreibe einen Bericht über das Märchenfestival hier. Das tat ich bereits im vorigen Jahr und mache dafür auch Fotos.
Dieser Hut ist ja nur für die Fotos. Viele der Schausteller werden mich noch vom vergangenen Jahr her kennen?
!>
Prüfend mustert die Frau den Mann, der sich des Hutes entkleidend hat, diesen aber mit einer Hand an seiner Seite hält. <Gut, den Hut setzen Sie also ab[/i[i]]?
Den Rest ihrer Verkleidung lasse ich dann mal durchgehen
.>

Immer noch freundlich nickt Herr Schnee und bestätigt damit den Wunsch der Dame am Einlass.
Natürlich bestätigt er auch durch sein Verhalten, die unausgesprochene Aufforderung seiner Gesprächspartnerin.
Sören, dem dieser Wortwechsel eher egal ist, hat sich dem rückwärtigen Durchgang bereits zugewendet. <Kommst du Papa?> drängelt er.
Um seinen Sohn nicht warten zu lassen, will sich der Vater auch sogleich aufmachen. Er nickt der Frau am Kassenstand ein letztes Mal freundlich zu und wirft einen fragenden Blick auf den Hut in seiner Hand.
Herr Schnee versteht nicht, weshalb er gerade etwas Vergleichbares zu einer Vision hatte.
Allerdings sollte es ihn nicht wundern.
Als er den Hut damals kaufte, wurde er auf die besonderen Fähigkeiten des Hexenhutes hingewiesen.
Bislang hat er noch nichts von diesen Fähigkeiten oder eher Eigenheiten bemerkt, aber das Märchenfestival ist genau der Ort, an dem sie auftreten könnten, ja geradezu sollten.

<Nicht so schnell Sören, haben wir alles, sind die Postkarten im Rucksack verstaut?> fragt der Vater seinen Sohn, bevor er ihm geschwinden Schrittes zum rückwärtigen Durchgang hinaus folgt.




--- 2 ---

Als der Vater hinter seinem Sohn aus dem Einlass heraus tritt und die ersten Schritte auf das Gelände des Landschaftsmuseums setzt, verspürt er erneut ein Gefühl ähnlich jenem, als er vorhin seinen Hut aufsetzte.
Vor sich sieht er den Berg ansteigen.
Der Weg, auf welchen er und sein Sohn gerade heraustraten besteht aus Kieselsteinen. Links und rechts von Wiesen gesäumt. Einige Meter den Berg hinauf stehen auch Bäume.
Dächer welche durch die Bäume hindurchlugen zeigen Gebäude an, die vor dem nahen Wald stehen.
Die beiden Besucher des Märchenfestivals hören aufgeregt scharrende Hühner, muhende Rindviecher und die Gespräche von Menschen, weiter voraus…

Guter Dinge schaut der Vater hinauf zum Himmel.
Die Sonne strahlt vom wolkenfreien Firmament hinab. Dieser Tag verspricht warm zu werden. Mit ein wenig trübsinnigen Gedanken blickt Lucius auf seine geschlossenen Schuhe. Den Gedanken Sandalen anzuziehen verwarf er am frühen Morgen. Die Wetterfrösche bestellten Regen für den heutigen Tag.
Auch Sören, der Vater erkennt es auf einen Blick, trägt heuer geschlossenes Schuhwerk.

Der Kiesweg führt die beiden vorbei an einem mächtigen Obstbaum. Kurz hinter besagten Apfelbaum endet dieser Weg in einem anderen, einem breiteren.
Ein Blick nach links, hinab ins Tal zeigt Lucius einige Wohnhäuser, ein schmaler Bach fließt auch hier. Er ergießt sich von einem Teich, den Berg hinauf. Bedenke, wir befinden uns beim Märchenfestival!
Man erzählt sich, dass auf einem Felsen in diesem Teich bereits oftmals eine Meerjungfer gesehen wurde.
Der Weg, weiter hinauf windet sich in östlicher Richtung hinein in ein kleines Waldstück. <Wir sollten durch die Bäume, da rechts hochgehen Sören. Ich vermute die Märchen eher den Anstieg hinauf. Und wenn wir Robin Hood heuer sehen wollen, dann finden wir ihn wohl auch eher im Wald. Laut der Legende verbargen er und seine Merry Men sich zwischen den Bäumen des Sherwood Forrest. Also finden wir diesen Strauchdieb auch eher in einem Wald, als auf den Schaufeln eines Mühlrads?!>
Auch der Sohn schlägt ohne zu murren, den Weg hinauf ein. <Aber Papa, wir gehen doch bestimmt später nochmal zum See.
Denn, wenn wir Arielle oder wie die Meerjungfrau hier heißt, finden wollen, dann wohl beim Teich
.>
Nickend schließt Lucius Schnee sich seinem Sohn an <Ob es wohl der Nixe nicht noch zu kalt in diesen frühen Morgenstunden ist?
Der Fels ist noch kühl von der Nacht, er ist nicht von der Sonne erwärmt. Wer also so früh bereits seinen Platz dort suchen sollte, wird mit einer Erkältung nicht ohne Husten und mindestens 39° Celsius Fieber gestraft
.>
Mit längeren Schritten, als der Sohn sie machen könnte, geht der Vater an seinem Filous vorbei. <Papa…> beeilt Sören sich hinterher zu kommen <… im vergangenen Jahr war die Seejungfrau nicht da. Ich denke nicht, dass…>
Abrupt stoppt der Junge.
Sein Vater, nur wenige Schritte vor ihm, ist ebenso stehen geblieben. <D… Der Teufel> entfährt es seinen Lippen.
Zwei Gestalten kommen ihnen entgegen, den Weg hinab. Auf der rechten Seite wird ihr Weg vom Wald begrenzt, linkerhand ist eine weit hinausreichende Wiese. Dicke Äste, zwischen den hier stehenden Bäumen grenzen den Weg gegen die Weide/Koppel ab.
Mit einem einladenden Lächeln schreitet den beiden ein älteres Mütterchen entgegen. Schwarz ist ihr Rock, der bis zum Boden fällt und ihre Füße verhüllt.
Ihr Oberkleid hingegen zeigt kleine blaue und weiße Karos.

Ebenso wie Herr Schnee einen Beutel um die Hüften trägt, führt dieses Mütterchen einen Korb mit sich, der allerlei Früchte und Beeren enthält.
Das Mütterchen hat ein Tuch aus grober Schafswolle um ihre Schultern gewunden, schulterlange graue Haare dringen unter einem Stoffhut, von ebenso grauer Färbung hervor und ergießen sich auf ihre Schultern. Ein Nasenfahrrad rundet ihre Erscheinung ab.
<Der Teufel> entfährt es Sören erneut. Seine Blicke verweilen nicht bei der Frau die ihn freundlich und offen anlacht.
Viel imposanter ist der Mann, der hinter dieser Frau in tänzerisch, langsamen Schritten unter den Bäumen hervortritt.
Kein Hut und kein Haar bedecken seinen Kopf. Die Röte seiner Haut wird nur unterbrochen von zwei kleinen, schwarzen Hörnern, die je über den äußeren Enden seiner Brauen seinem Haupt entspringen.
Seine Ohren sind ähnlich spitz geformt wie die jener Elfen aus den Legenden oder dem Herrn der Ringe. Natürlich sind die Ohren von einem ebenso aufdringlich, leuchtenden Rotton wie der Rest des Körpers. Der legendäre Herr der Unterwelt ist in einen schwarzen Kutschermantel gehüllt. Silberne, nicht messingfarbenen Knöpfe schließen den Mantel, welcher einen fulminant abstehenden Kragen, wie damals der Schauspieler Christopher Lee in der Rolle des Dracula hat. Schwarze Beinkleider umhüllen die Beine des Rotgesichtigen. Er trägt lederne Stiefel, so dass es den Besuchern entgeht, ob Luzifer wie in der Legende beschrieben, Bocksfüße hat?

<Oh, das ist ja mal interessant.> Spricht Herr Schnee, als auch er dem Herrn der Schwefelsümpfe und des flammenden Morgensterns ansichtig wird. <Erinnerst du dich Sören, letztes Jahr sahen wir den Teufel und seine Großmutter erst, als wir das Märchen-Festival bereits verlassen wollten.>
Während der Sohn mit fragenden Augen vorsichtig nickt, bleibt sein Blick weiter auf den Teufel im feinen Gewand gerichtet, der näherkommend die Hände in einer erfreuten Geste in einander verschränkt und lachend seinen Triumph auskostet.

Nun geschieht es aber so, dass der Vater des Sören das Mütterchen, die Großmutter des Teufels, wiedererkennt.
Gleich ihm, war auch sie bereits im vergangenen Jahr hier beim Märchenfestival.
<Zum Gruße Mütterchen. Wir begegneten uns aber bereits im vergangenen Jahr hier.>Des Teufels Großmutter reagiert lachend: <Ja, das ist möglich. Mein Enkelsohn hier versucht immer wieder die frommen Menschen vom Pfade der Tugend abzubringen. Ich kann ihn nicht alleine lassen.> Lucius Schnee nimmt seinen Sohn in den Arm, dem in Anbetracht des Teufels bedenklich warm wird.
<Bist du ein echter Teufel?> fragt Sören an den Höllenprinzen gewandt. <Ja aber gewiss doch, was dachtest du denn?> kommt sogleich die Antwort. <Nein du bist nicht echt!> tritt der Sohn einen Schritt hinter Lucius hervor. Keck hebt er das Kinn. <Ihr gehört einem Theater an und spielt die Märchen lediglich>.
Aber auch die Großmutter beteiligt sich am Gespräch und wendet sich, noch immer bester Dinge, dem Vater zu: <Stimmt, ich erinnere mich, euch beide habe ich hier auch bereits gesehen.> Sören Schnee entsinnt sich des Hutes in seiner Hand. <Wartet, dies sollte eure Erinnerung beflügeln…>
Der Vater setzt seinen Hut wieder auf. Er spürt wie der Stoff des Hutes sich an seinen Kopf schmiegt. Es ist als würde sich eine düstere Scheibe dicht vor sein Auge legen, fast hat er den Eindruck, als wäre er in einer Höhle.
Dies kann nicht sein, so ermahnt er sich selbst. Am Vormittag brachen sein Sohn und er auf, hierher zum Märchenfestival.
Der Vormittag ist sehr warm. Der Vater hat den Eindruck eines dunklen Momentes. Dies kann aber nur an seinem Gegenüber liegen.
Lucius spürt, wie sein Shirt sich an seinen Körper anlegt, er erkennt die Veränderung, welche mit seiner Kleidung vorgeht und kurze Zeit später steht er in einem dunklen Mantel da.
Ähnlich Luzifer, dem Höllenfürst aber nicht halb so edel majestätisch.

Ah, ich sehe klarer.
So dicht an Luzifer, dem Prinz der Hölle stehend erscheint die Luft wärmer. All die Missgunst, die Häme und die Boshaftigkeit, welche diese Gestalt umgibt, schüchtern selbst mich ein.
Aber sein Gesicht erweckt nicht den Eindruck eines bösen Geistes.
Angespannt wirkt er eher auf mich. Wer will es ihm aber verübeln?
Er kommt den Hang herab geschritten, zwei Schritte hinter seiner Großmutter. Ob das Mütterchen wohl so resolut ist?

<Natürlich, jetzt erkenne ich dich wieder.> Spricht die vor Freude lachende Dame den Vater an. <Es ist schön, dass ihr wieder hier seid. Ich hoffe, es gefällt euch auch in diesem Jahr hier?!!>

<Fürwahr Mütterchen.
Einige Male war ich bereits hier zu Gast.
Es gefiel mir alljährlich. Vergangenen Sommer erst führte ich hier einige Gespräche und nun ist es an mir, dass ich heuer mit einigen Fragen herkam.
>

Aber das Gegenüber des Vaters wirft einen Blick zurück, über ihre Schulter. Sie schaut nach ihrem Enkel. Luzifer windet die Hände ineinander. Er spricht auch, doch zu wem oder mit sich selbst, ist schwerlich zu erkennen. Das Mütterchen tritt einige Schritte zurück und gibt mit einer weitausholenden Bewegung ihres Armes zu verstehen, dass der Vater zu Luzifer gehen kann, ihn selbst zu fragen.


Während Sören scheu und unsicher bei der Großmutter stehen bleibt, schreitet Lucius näher auf den Teufel zu. <Ich komme zu euch Luzifer, einige Fragen brennen mir auf der Seele. Fragen, die wahrlich nur der Herr der Fliegen mir beantworten kann.>
Unwillig und sichtlich unangenehm aus seinen Gedanken gerissen, schaut Luzifer Herrn Schnee an. Kleine Flammen schießen aus seinen Augen, als er zur Antwort anhebt. Die Stimme des Gebieters über die Schwefelsümpfe klingt, als käme sie aus tiefster Tiefe, hohl und kalt. <Was willst du Gewürm? Welches Menschlein wagt es an mich das Wort zu richten?>
Geschwinde eilt das Mütterchen hinter ihren Enkel. Sören, der nahezu erstarrt ist von den Worten des Teufels, hat alle Mühe stehen zu bleiben. Denn gleich einer Sturmbö‘ ziehen die Worte des dunklen Maestros über ihn hinweg.
Lucius Schnee wendet seinen Kopf. Er versucht sich so zu postieren, das sein Sohn von dem aufbrausenden Wind bestmöglich geschützt ist. Aber selbst er muss sich gegen den Wind stemmen.
Sein Mut beginnt zu wanken, als er in das ausdruckslose Gesicht des anwesenden Teufels schaut. Seit ewigen Zeiten zählt sein Gesprächspartner zu den Regenten über die verdorbenen Felder der Schwefelpfützen. Zwar sind die Reiche ihrer Untergebenen gefüllt mit Gold & Geschmeide aber ohne Freude und Glück wirken selbst die güldesten Truhen leer.
Der Herold atmet erleichtert auf, als die Großmutter hinter den Teufel tritt und ihn am Kopf zu massieren beginnt.
Laut atmet der Teufel entspannend und den ewigen Kreislauf vergessend aus. Ein hallendes, erlösendes <Ah…> entwindet sich seiner Kehle.
Wie ein Donnerschlag klingt es weit über das Land hinaus. Stürmischer Wind kommt auf und wild kreischend erheben sie die Vögel aus den Bäumen rings umher.
Die Großmutter, welche erkennt wie das Gebaren ihres Sprosses auf die Menschen wirkt, massiert Luzifer inniger.
Schnell richtet sie das Wort an Herrn Schnee und den feurigen Höllenfürsten gleichsam. <Luzi, der Mann hat einige Fragen an dich. Dieser Weg, der kein leichter war, führte ihn her, zu dir. Ich finde drei Fragen solltest du ihm beantworten.>
Erbost aufjaulend streckt Luzifer seinen Rücken durch, was ihn zu imposanter Größe aufrecht stehen lässt.
<Oh, beim Allmächtig… nein, ich will seinen Namen doch nicht nennen.
Aber Mütterchen nenne mich nicht Luzi, das ist ein dumm, blöder Mädchenname.>

Langsam sackt der Teufel wieder in sich zusammen, während die Großmutter beginnt ihm mit harten Bewegungen durch die Haare zu gleiten und seine Kopfhaut zu massieren. <Oh ja Mütterchen, das tut gut.> Fast schnurrt Luzifer wie eine Katze, während die Großmutter ihn dergestalt behandelt. Seine Augenlieder flattern vor Wohlgefallen.
Sie fährt mit geübten Fingern durch das Deckhaar des Bocksköpfigen, bis sie ein goldenes Haar hervorzieht. Dies festhaltend nickt sie Herrn Schnee verschmitzt lächelnd zu…

Lucius, der den Beiden vor seinen Augen aufmerksam zusieht, erkennt diesen Hinweis richtig.
Er hebt mit starker und selbstbewusster Stimme an, eine Frage an Luzifer zu richten: <Herr der Fliegen, Gestürzter, beantwortet mir diese Frage. Ist die Meerjungfrau auch diesmal wieder auf dem Felsen am See, so wie im vergangenen Jahr?>
Aber ohne aus der Kopf-Massage auszubrechen antwortet der Teufel hochmütig dem Fragenden <Nein, diese ist nicht da.>
Herr Schnee blickt an seine Seite. Der Junker neben ihm schaut betrübt zu Boden, zu gerne hätte er die Nixe gesehen.
Kurz nach seiner Antwort reißt die Großmutter dem Teufel das goldene Haar zwischen ihren Fingern aus.
Bevor der Grimme seine restlichen Haare ihren Händen entwinden kann, hat sie bereits ein zweites goldenes Haar gefunden. <Sprecht Fremder. Solange ich goldene Haare finde, wird mein Enkel euch antworten.> Mürrisch fügt der Teufel sich diesen Worten.
Nervös mittlerweile, von einem Fuß auf den anderen tretend, überlegt sich Lucius Schnee seine nächste Frage. <Nun Luzifer, dies scheint der Name zu sein, bei dem man Euch ruft. Die Sage geht, hier auf diesem Gelände würde sich ein Schurke, ein Räuber aus den Tiefen des Sherwood Forrest herumtreiben?> Ohne lange zu zögern, gibt der Gefragte die verlangte Antwort <Robin Hood, der Rächer der Enterbten, der Beschützer von Witwen und Waisen. Ja, er ist hier. Wo genau sage ich aber nicht.>
Bevor Luzifer mehr sagen kann, zupft mit geübten Fingern die Großmutter ihm das zweite goldene Haar aus. Der furchteinflößende Teufel schreit auf, als litte er tausend Qualen, bevor er erneut wimmernd in sich zusammen sinkt.
<Eine Frage noch Herold, eine weitere Frage sei euch noch gewährt.
Stehlt ihr mir jedoch mehr meiner Zeit, will ich euch ins Fegefeuer werfen
.>

Ob dieser Worte gewarnt, überlegt Herr Schnee welche Frage er dem Flammenden zum guten Schluss noch stellen will.
Aber sowohl für ihn, als auch für das Mütterchen und den Teufel unerwartet, tritt der Junker hinter dem Herold hervor. Er hat Mut gefunden und tritt nun aufrecht vor den Teufel hin. <Sind dieselben Märchenwesen hier, wie während all der anderen Jahre?>
Und der Teufel beginnt zu lachen…
Und lacht…
Kaum scheint er ein Ende zu finden, bevor er sich dem Junker vollends zuwendet. Seine Augen sprühen Funken und seine Zähne glühen im Schein des unheiligen Lichtes <Was denkst du Jüngster?> Der Teufel scheint aufzublühen <Denkst du, du bist der Erste der diese Märchen kennenlernt?> Der Teufel dreht sich im Kreis, während er von einem Bein auf das andere springt. <Nein Jüngster. Diese Märchen werden sich seit hunderten von Jahren erzählt. Die Märchen bleiben sich gleich, aber die Wesen sind andere. Bedenke wie alt die ersten bereits sein müssten, hahaha.> Gänzlich in seiner Freude gefangen, bemerkt der Höllenfürst nicht, wie seine Großmutter erneut ein goldenes Haar, das dritte und letzte auf seinem Kopf findet und ihm ausreißt.
Jämmerlich Geschrei hallt über das Land, als der Teufel erneut zusammenbricht. Das Mütterchen hingegen hält triumphierend die drei goldenen Haare nach oben.
Mit folgenden Worten reicht sie diese dem Herold <Nehmt diese und es soll euer Schaden nicht sein. Im Reiche der Märchen gelten andere Gesetze und so mancher Handel wurde bereits unbedacht abgeschlossen. Diese Haare aber sollen euch helfen wieder hinauszufinden. Nun aber geht, ich weiß nicht wie Luzifer reagieren wird, wenn er bemerkt das die Haare ihm erneut für ein Jahr fehlen…>

*** *** *** 19.07.2017 *** *** ***

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'Könnte mir bitte 'mal Jemand das Wasser reichen?!!'

Ganz der Eurige
G.H.S.

zuletzt bearbeitet 19.07.2017 20:25 | nach oben springen


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